Missverständnisse vermeiden: Tipps und Tricks aus der Mediationspraxis

Ihr Lieben,

Ich habe Ende letzte Woche wieder 3 Tage beim Seminar als Teil meiner Ausbildung zur Mediatorin verbracht. In diesen drei Tagen haben wir sehr viel geübt, wie man als Mediator den Bedürfnissen und Gefühlen jeder Konfliktpartei auf den Grund geht um ohne Missverständnisse, gezielt helfen zu können. Es gibt unendlich viele Techniken und Methoden als Mediator, die Kommunikation zu lenken und wirklich zu verstehen was beide Parteien eigentlich wollen. Zwei dieser Methoden, die oft in Tandem genutzt werden, möchte ich gern mit Euch teilen, da sie nicht nur in der Mediation gebraucht werden, sondern auch im Alltag ungemein hilfreich sind Missverständnisse zu vermeiden.

➡ Das Spiegeln & Paraphrasieren❤️

Viele von Euch kennen einige dieser Aussagen entweder von sich selbst oder von Ihrem Partner wahrscheinlich nur zu gut:

  • „Aber Du hast doch gesagt…”
  • „Nein, das hab ich nie gesagt…”
  • „So hab ich das gar nicht gemeint…”
  • „Wann hab ich das so gesagt…?”
  • „Ich dachte Du meintest…”
  • „Konnte ich ja nicht wissen…”
  • „Da hab ich mich wohl verhört…”

Oft entstehen heftige Konflikte 😡🌪🤬⚡️🤯, mit Streit, laut werden, Beschimpfungen, den anderen einfach stehen lassen, Augenrollen und Vorwürfen aus klitzekleinen Missverständnissen heraus, die sich hochschaukeln. Und oft sind wir meist noch zu sauer oder verletzt nach einem Streit Missverständnisse aufzuklären, bevor sie noch mehr Schaden anrichten. Doch warum gibt es so häufig Missverständnisse zwischen Partnern?

Grund hierfür sind Bewertungen, die wir Gesagtem oft automatisch zuschreiben, anstatt eine Aussage neutral zu betrachten. Oft basieren diese Bewertungen darauf wie wir uns gerade fühlen, was bis dato geschehen ist, also eventuelle Konflikte passend zur Aussage die dem Gesagten vorangehen, Verallgemeinerungen oder auch unsere generelle Haltung gegenüber unserem Partner. Fühlen wir uns unverstanden und angegriffen, bewerten wir eine Aussage oft sehr negativ und fühlen uns daher noch mehr in die Ecke gedrängt.

Ein Beispiel – Ich zu meinem Mann: “Du kannst Dir gar nicht vorstellen wie fertig ich bin. Hannah hat mich schon wieder die ganze Nacht wachgehalten.”

  • 🤷‍♀️ ICH PERSPEKTIVE: (Was möchte ich mit dieser Aussage ausdrücken?) Vielleicht möchte ich in den Arm genommen werden, weil ich einfach so müde bin nach einer schlaflosen Nacht. Vielleicht bin ich so müde, dass ich mich nicht erinnern kann, wann ich das letzte Mal so müde war und mir nicht vorstellen kann, dass irgendjemand anderes meinen Zustand versteht.
  • 🤷‍♂️ ER PERSPEKTIVE: (Wie bewertet er meine Aussage?) Vielleicht fühlt er sich unfair angegriffen, da auch er die ganze Nacht wach war und sich schlecht gefühlt hat Dir und dem Baby nicht helfen zu können. Er hat aber schon mitbekommen, dass Ihr eine schlaflose Nacht hattet. Vielleicht ist er wütend, weil er glaubt Du wirfst ihm vor, immer gemütlich zu schlafen, während Du jede Nacht wach bist….

Je nach Verfassung gibt es unzählige Bewertungen, die hier hineingeworfen werden können. Fest steht, es gibt ein riesengroßes Potential, dass einer den Anderen falsch versteht und sich dadurch missverstanden und gekränkt fühlt.

Doch wie kann man das verhindern? Hier kommt die Methode des Spiegelns/Paraphrasierens zum Zug. Wenn man die Methode einmal kennt und regelmäßig übt, verspreche ich Euch, dass Eure Kommunikation mit Eurem Partner, aber auch mit anderen Menschen in Eurer Umgebung deutlich davon profitieren wird. 👍

Als Gesprächspartner hat man die Option, das eben Gehörte bestätigen zu lassen, um etwaige Missverständnisse zu vermeiden. Die einfachsten Methoden hierbei sind das Spiegeln und Paraphrasieren.

Was heiβt das konkret?

  • Spiegeln bedeutet, sich rückzuversichern, das eben Gehörte richtig verstanden oder interpretiert zu haben. Dabei können wir Inhalte, Gefühle und Bedürfnisse spiegeln, um wirklich zu verstehen was uns unser Partner gerade sagen möchte. Z.B. „Du bist bestimmt sauer auf mich, weil Du allein die ganze Nacht wach warst und ich Dich nicht unterstützt habe, oder?“
  • Paraphrasieren bedeutet, das eben Gehörte nochmals in eigenen, möglichst neutralen Worten zu wiederholen. Z.B. „Du bist die ganze Nacht wach gewesen und bist jetzt todmüde?“

Wenn der Partner dem mit einem klaren JA! zustimmt, liegst Du richtig und kannst davon ausgehen nichts missverstanden zu haben. Oft geht das Gespräch dann auf natürlichen und harmonischen Weg weiter.

Liegst Du falsch, wird Dein Partner Dich korrigieren. Z.B. „Nein, ich mach Dir keine Vorwürfe. Ich hab ja gemerkt, dass Du auch wach geworden bist. Aber die Kleine wollte nur gestillt werden und dabei hättest Du mir gar nicht helfen können. Ich bin einfach nur müde, da das jetzt schon die dritte Nacht in Folge war.“

Einige von Euch werden das Beispiel gut nachvollziehen können. Wenn Ihr daran denkt, wie oft ist es dann zum Streit oder Gezicke gekommen?

Es ist relativ einfach diese Methode in den normalen Sprachgebrauch zu übernehmen. Manchmal erscheint es einem komisch, aber seid versichert, dass es bei Deinem Partner nicht komisch ankommen wird. Ganz im Gegenteil. Er wird sich gut fühlen, da Du ihm aufrichtig zuhörst.

Ich lade Euch ein, es einfach einmal auszuprobieren. Schildert gern einmal Eure Erfahrungen damit.

Ich hoffe Dir gefallen meine Beiträge und Du kannst für Dich und Deine Situationen ein paar Impulse mitnehmen. Ich würde mich sehr freuen wenn Du mich und meinen Blog Deinen Freundinnen und Bekannten weiterempfiehlst. Je mehr Menschen von der Thematik wissen und je mehr wir einander erzählen, zuhören und uns unterstützen, desto leichter wird es für uns alle, uns den HerausfÖrderungen des 1. Babys zu stellen.

Vertrau Dir – Du bist großartig! 

Deine Claudia

[Photo by rawpixel]

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